Dienstag, 6. Juli 2010

Island Three – Die Weltraumkolonie

     
 
Nachdem 1969 der Schritt auf den Mond getan war, schien vielen Amerikanern aber auch dem Rest der Welt, der Schritt zum Leben im All nicht mehr weit. Worüber vor Jahren und Jahrzehnten Science-Fiction-Autoren nur geschrieben haben, sollte bald Wirklichkeit werden. Gigantische Raumstationen sollten im Kosmos entstehen; gebaut, um hunderten und gar tausenden Menschen eine Heimat abseits der Erde zu bieten. Einer der Träumer war der Physiker Gerard O’Neill, der eine der kühnsten Raumkolonien entwarf und es mit der Verwirklichung durchaus ernst meinte.

Im Jahr 1969 arbeitet Gerard O’Neill als Professor in der Abteilung für Hochenergiephysik an der renommierten Princeton Universität. Er war schon zu dieser Zeit ein angesehener Mann und hatte unter anderem an der Entwicklung des ersten Teilchenbeschleunigers mitgewirkt und sich am Apollo-Programm beteiligt. Kühne Visionen über die Zukunft der Menschen im All aber? Nein, die hatte er nicht wirklich, bis er durch Zufall den Astronom Brian O'Leary bei der NASA kennen lernte. Erst ein Gespräch und die spätere Freundschaft mit O'Leary fixten O’Neill an, sich näher mit der Zukunft des Menschen im All zu beschäftigen. Mond-Kolonien, Künstliche Wohnräume auf dem Mars? Ist das die beste Option, zur Besiedlung des dunklen Raums jenseits der Erde? Zumindest laut O’Neill war dem nicht so. Und auch seine Studenten, die er in seinem Kurs mit der Thematik konfrontierte, sahen das ähnlich. Stattdessen ersann der Physiker, ein künstliches Habitat. Eines das gleich von Anfang bessere Faktoren in Bezug auf Temperatur, Schwerkraft, Atmosphäre und Oberflächenbeschaffenheit bietet als fremde Planeten. Eine gigantische Raumkolonie, die in einer festen Umlaufbahn unweit der Erde ihre Kreise zieht; ständen Zugang zu Licht und damit Wärme hat.

Die ersten zwei Konzepte von O’Neill und seinen gewonnenen Anhängern waren kugelförmige Objekte genannt Island One und Island Two; jeweils 500 bis 1.600 Meter im Durchmesser sollten sie messen und rund 50.000 bis 100.000 Menschen Platz bieten. Das Glanzstück und die kühnste Vision des Physikers bildete jedoch das Konzept Island Three: der/die O'Neill Cylinder. Die Ausmaße dessen sollten gigantisch sein. 30 Kilometer sollte ein Kolonie-Zylinder durchschnittlich in der Länge aufweisen; der Durchmesser: knapp 6,5 Kilometer. Mit der ISS hätte solch eine Raumstation also alleine schon in ihren Ausmaßen wenig zu tun. Aber sonst, wären eine solche Kolonie kühn und revolutionär gewesen. Denn in den riesigen Röhren sollte ein Lebensraum ähnlich der Erde exakt nachgebildet werden. Erdboden, Wiesen, Flüsse und Seen wären vorhanden. Ebenso Felder, Viehweiden und Wälder. Über riesige Spiegelsysteme und gigantische Fensterflächen die in Streifen über die Kolonie-Zylinder laufen würde Tageslicht die Riesenröhre im Innern erhellen – was wiederrum sogar zu einem dynamischen Wetter mit Wolkenbildung, Regen und Jahreszeiten geführt hätte. Kilometer Solarpaneele würden Strom wiederum erzeugen und Wasserfiltersysteme mit chemischen und biologischen Anteilen stetig Wasser für die mehrere Millionen Menschen umfassende Bevölkerung aufbereiten.
Das Leben in den O’Neill-Kolonien ist von Autarkie gekennzeichnet. Die Bewohner sollen sich mit allen lebensnotwendigen Dingen selbst versorgen können.
Zur Nahrungsversorgung werden Mais-, Sojabohnen- und Luzernefelder auf der mittleren Ebene angelegt. Die Wasserversorgung erfolgt aus künstlich angelegten Teichen auf der obersten Ebene. So kann es optimal zur Bewässerung der Felder verwendet werden. Mit dem Rest des Wassers könnten dann die Nutztiere versorgt werden, deren Ställe sich auf der untersten Terrasse befänden. Ausgehend von einer Bewohnerzahl von 10.000 Kolonisten könnten dort etwa 60.000 Hühner, 30.000 Kaninchen und eine beträchtliche Anzahl von Rindern gehalten werden.
Anschließend würde das Wasser in einer Aufbereitungsanlage gereinigt und dem Kreislauf erneut zugeführt werden. So wäre eine gesunde Mischdiät möglich, die die Bewohner jeden Tag mit etwa 2400 Kilokalorien versorgen würde. Die Felder und Parks hätten zudem die Aufgabe, einen Großteil des Kohlendioxids aus der Luft aufzunehmen und Sauerstoff sowie Wasserdampf freizusetzen. Den restlichen Bedarf müsste dann die Hochtechnologie leisten.Die in den landwirtschaftlichen Gebieten entstehende Feuchtigkeit könnte über Lufttrockneranlagen kondensiert werden und so den Trinkwasservorrat ergänzen. Ein komplexes Verfahren mit dem Namen Nassoxidation würde die Abwässer aus der Landwirtschaft und den Haushalten durch Druck und Erhitzen reinigen. Bei diesem Prozess würde Kohlendioxid freigesetzt, welches wiederum zur Förderung des Pflanzenwachstums eingesetzt werden könnte. Die festen Rückstände des Abfalls könnten zu Viehfutter und Kunstdünger weiterverarbeitet werden. Die Bewohner der Kolonie könnten ihren Lebensunterhalt als Bergbauleute auf dem Mond oder als Wissenschaftler und Techniker auf Weltraumstationen verdienen. Haupttätigkeitsfeld wäre aber wohl der Bau von Energiesatelliten, die als dichter Ring die Erde umgäben. - Wikipedia
Klar, die Vorstellung von O’Neill war imposant, gigantisch und wohl auch etwas irr aber er glaubte an deren Machbarkeit. Denn sie war durchdacht und intelligent; genial. So genial, dass 1974 die NASA an den Physiker herantrat. Zusammen mit ihm und weiteren Wissenschaftlern und Visionären suchte die NASA nach Modellen für die Zukunft der Raumfahrt: kühne Visionen wie denen O’Neills. Doch welche, die wohl tatsächlich machbar wären. Denn auch wenn O’Neill und seine Kollegen bis zu letzt auf eine Realisierung hofften - die Station um 2000 bis 2015 sogar im All schweben sahen – ist sie nach heutiger Ansicht nie und nimmer machbar. Laut O’Neill hätte der Bau wohl 100 Milliarden Dollar verschlungen, der baut 20 bis 25 Jahre gedauert. Heute geht man eher von 100 Billionen Dollar aus und einer Weltalllogistik – von Materialtransporten, Arbeitern usw, - die stemmbar wäre.
 
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