Dienstag, 1. Mai 2012

Edward Tellers Donnerbrunnen

     
 
Zwischen Mai und Oktober 1957 führte die US-Regierung Operation Plumbbob durch – eine Reihe von Atombombentests in der Wüste von Nevada. Und bei einem der Tests kamen die Männer hinter dem Nuklearwaffen-Programm der Vereinigten Staaten auf eine ziemlich verrückte Idee...

Während des Testlaufs Pascal-B wurde eine Versuchsbombe in einen tiefen Schacht hinab gelassen, der mit einer 900 Kilogramm schweren Stahlplatte versiegelt wurde. Bei der Zündung passierte etwas, das die hochintelligenten Programm-Wissenschaftler trotz aller Erfahrung überraschte: die Druckwelle der Kernwaffe war derart stark, dass es die 900-Kilo-Platte vom Schacht hob und mit einer Geschwindigkeit von 66 Kilometer pro Stunde gen Weltraum schleuderte, wo sie heute noch herum schwebt. Zumindest ist das eine der Vermutungen, was mit dem Stahlkonstrukt passiert sein könnte – eine andere: die Platte ist schlicht verdampft. Denn außer, dass die fast eine Tonne schwere Abdeckung einfach weg war, gab es keinen Hinweis darauf, was passiert sein könnte. Laut dem Test-Mitverantwortlichen Dr. Robert R. Brownlee war's jedoch letzteres, was geschah: der Druck in Kombination mit der unglaublichen Hitze, hätten das Metall in seine atomaren Bestandteile aufgelöst.

Dennoch waren einige Wissenschaftler und Militärs von der Vorstellung angetan, Objekte mittels Atombomben ins All zu feuern und nannten das Konzept „Thunder Wells“ – „Donnerbrunnen“. Es gab Ideen dafür, etwa Satelliten auf diesem Weg ins Orbit zu bringen oder feindliche Satelliten und Raumstationen mit Kernexplosion-gefeuerten Projektilen abzuschießen. Angeblich – ich halte das für Quatsch – hätte sich unter anderem der deutsche Wissenschaftler Edward Teller dafür eingesetzt, die Möglichkeiten dieser Technik weiter zu erforschen. Allerdings wurden sämtliche Spinnereien und Anstrengungen in diese Richtung aus unbekannten Gründen nicht weiterverfolgt. Stattdessen mündeten die Erkenntnisse von Pascal-B in ein Projekt namens Orion. Bei diesem war's Ziel, ein Raumschiff mittels Kernexplosion durch's All zu schicken.

Einen möglichen Nutzen für Thunder Wells haben übrigens die Macher der Discovery Channel Episode „Alien Invasion: Are we ready?“ entdeckt: ihrer Ansicht nach könnte die Menschheit mittels der Donnerbrunnen dutzende Stahlscheiben auf ein Alien-Raumschiff abfeuern und sich so von den extraterrestrischen Besatzern befreien.
 
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